Einen Scheiß muss ich - wollen statt müssen

Einen Scheiß muss ich!

Veröffentlicht am Veröffentlicht in Zufriedenheit & Mindset

Einen Scheiß muss ich!

 

Der inflationäre Gebrauch des Verbs „müssen“

Hier ist mein erster Artikel für eine Blogparade :-). Elke Schwan-Köhr hat so ein cooles Thema ausgesucht, da musste ich einfach mitmachen. Dieses mega-spannende Thema lautet: „Einen Scheiß muss ich – warum man nicht jeden Trend mitmachen muss“. Die Blogparade läuft noch bis zum 31. August 2017. Noch genug Zeit um mitzumachen!

Ich habe mir ein paar Gedanken gemacht, warum viele Eltern in der Familie und auch im Job das Verb „müssen“ inflationär anwenden.

Keiner möchte etwas tun, alle müssen etwas tun. Achte mal selbst darauf, wie du das Verb „müssen“ verwendest, und beobachte, wie deine Kinder und Kollegen es gebrauchen.

 

Was muss man in der Familie tun?

Mir fällt immer wieder auf, wie oft Eltern das Wörtchen „muss“ verwenden:

„Du musst deine Hausaufgaben machen.“

„Ich muss meinen Kindern ein Vorbild sein.“

„Man muss den Regenschirm mitnehmen, es könnte heute noch regnen“

„Du musst jetzt früh ins Bett, damit du morgen wieder fit bist“

Das alles hört sich nach viel Druck an. Muss man das wirklich? Was aber, wenn man diesem Druck nicht nachgibt und es einfach nicht macht. Könnten wir mit den Konsequenzen leben? Was kostet uns das?

Ist es ein Verbrechen, mal die Hausaufgaben nicht zu machen, pitschnass im Regen zu spazieren oder mal einen Tag lang müde aus der Wäsche zu schauen? Das kann jeder selbst entscheiden.

 

Alternativen zu „müssen“

Kinder verstehen gar nicht, warum sie das müssen, auch wenn man den Zusammenhang oder die Gründe mitgibt. Müssen wir das wirklich oder machen wir das, um uns besser zu fühlen? Man könnte auch formulieren:

„Wenn du das üben möchtest, ist es besser, diese Hausaufgaben zu machen.“

„Wenn du nicht nass werden möchtest, spann den Regenschirm auf oder zieh eine Regenjacke an.“

„Wenn du morgen fit sein möchtest, tue heute das nötigste dafür.“

Solche Formulierungen unterstreichen die Eigenverantwortung. Meist helfen die guten Ratschläge der Eltern nicht, da sie aus der eigenen Perspektive entstehen. Vielleicht haben sie mal schlechte Erfahrungen gemacht, wenn etwas nicht gemacht wurde. Oder sie denken, dass eine Ursache-Wirkung-Beziehung existiert, die vielleicht nur unter bestimmten Voraussetzungen eintrifft. Und wer sagt, dass man muss ….?

Ein altes Sprichwort sagt: „Man muss gar nichts, außer Sterben.“

 

Was muss man im Job tun?

Genauso oft wird das Verb „müssen“ im Arbeitsleben verwendet; insbesondere wenn es darum geht, in der Karriere voranzukommen:

„Du musst gute Ergebnisse liefern, um beachtet zu werden“

„Man muss sich erst mal hocharbeiten, bevor es eine Gehaltserhöhung gibt“

„Du musst erst unsere Prozesse verstehen, bevor du …“

Wahrscheinlich kennst du diese Phrasen. Aber mal ehrlich, treffen sie alle zu?

Kennst du nicht genug Beispiele, wo Mitarbeiter beachtet werden, ohne dass sie relevante Ergebnisse liefern? Kennst du auch Kollegen, die eine Gehaltserhöhung durchgesetzt haben, obwohl sie noch nicht lange dabei waren?

 

Müssen wir oder wollen wir oder dürfen wir?

Jeder kann selbst entscheiden, was er macht und was nicht.

Warum sagen wir immer „müssen“ anstatt „wollen“ oder „möchten“?

„Ich möchte heute arbeiten gehen“ hört sich viel besser an als „Ich muss heute arbeiten gehen“. Hinter der ersten Aussage steht eine bewusste Entscheidung (Ich bin Macher). Hinter der zweiten Aussage eine Erwartung von außen (Ich bin Opfer).

Sind wir wirklich so fremdgesteuert? Tut mir leid, ich würde ja gerne …, aber ich muss leider noch …. Das geht vor. Manchmal erscheint es mir, als ob viele gar nicht selbst entscheiden wollen. Aber das ist ja deren Sache. Jeder wie er möchte.

Mit der Muss-Formulierung vernebeln wir uns den Blick. Für alles, was wir machen, haben wir uns entschieden. „Ich habe mich entschieden, diese Arbeit zu machen (weil sie mich erfüllt, oder weil Hartz IV keine Option für mich ist.)“

Trauen wir uns nicht, öffentlich zuzugeben, dass wir selbst so entschieden haben?

Mit meinem Beitrag zu dieser Blogparade möchte ich dich inspirieren, mal selbst darüber nachzudenken, wie oft du das Verb „müssen“ gebrauchst.

 

Vom zwanghaften „müssen“ zum selbstbewussten „wollen“

Und wenn wir uns für etwas entscheiden, dann für eine Sache, die wir gerne machen. Nicht nur weil wir einen äußeren Drang spüren.

Entscheide dich wirklich bewusst dafür, nur das zu tun, was du auch wirklich willst. Im Grunde genommen müssen wir wirklich gar nichts, wenn wir bereit sind, die Konsequenzen von unserem Nichtstun zu tragen.

Wenn du dich bewusst für eine Tätigkeit entschieden hast, dann formuliere „Ich will …“ oder „Ich möchte …“. Es darf ruhig jeder merken, dass du dich explizit entschieden hast.

 

Entscheide dich für deine Wünsche

Wenn du auch zu denjenigen gehörst, die immer sagen „Ich muss noch …, bevor ich ….“ habe ich eine Idee für dich:

  1. Schreib das, was du heute gerne machen willst, auf Post-its
  2. Klebe diese Post-its auf eine Wand und verschaffe dir somit einen Überblick über deine Wünsche
  3. Entscheide, worauf du am meisten Lust hast
  4. Fange an, das umzusetzen

Viel Spaß beim Nachdenken und beim Umsetzen.

Bleib zufrieden und genieß dein Leben.

2 Gedanken zu „Einen Scheiß muss ich!

  1. Liebe Silvia,
    wow, was für ein großartiger Artikel, vielen Dank für deinen Beitrag zur Blogparade!

    Du sprichst mir aus der Seele, denn genau über diese Dinge – bewusst entscheiden, mehr wollen, weniger müssen… – habe ich in den letzten Wochen auch sehr viel nachgedacht. Und es lebt sich deutlich leichter, wenn man weniger muss, sondern möchte oder auch einfach mal etwas bewusst nicht macht. Ich ertappe mich inzwischen ganz oft dabei, dass ich sage oder denke „ich muss…“ und mich dann nochmal korrigiere. Schon allein, wenn man das Wort „muss“ nicht benutzt, macht es einen Unterschied!

    Sonnige Grüße
    Elke

    1. Liebe Elke,
      ganz lieben Dank für deinen Kommentar.
      Es freut mich sehr, dass du bewusste Entscheidungen triffst. Schön, dass du diese bewusste Entscheidung dann in der Formulierung deutlich machst, indem du nicht „ich muss …“ verwendest. Nach einiger Zeit hat man sich daran gewöhnt, die richtigen Worte zu verwenden.

      Wünsche dir weiterhin viel Freude mit deinem super Blog und dass du das Wort „muss“ nur verwendest, wenn es wirklich sein muss :-).
      Lass es dir gut gehen und bleib zufrieden.
      Gruß
      Silvia

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